Neue Bürgermeisterin in Papenburg und ein Obstbaum für den HBV Aschendorf

Mit forschem Schritt, einem Lachen im Gesicht und einem Baumsetzling in der Hand, so besuchte Vanessa Gattung, die neue Bürgermeisterin Papenburgs und erste Frau in diesem Amt, den Heimathof in Aschendorf, wo der Vorsitzende des Heimat- und Bürgervereins Aschendorf (HBV), Gerd Harpel, und einige Heimatfreunde/innen sie herzlich willkommen hießen.

Anlass des Besuchs war das öffentliche Versprechen des neuen Stadtoberhaupts für den Fall ihres Walhlsiegs, im Stadtgebiet hundert Bäume neu zu pflanzen. Einer der Begünstigten dieser Aktion ist auch der Aschendorfer Heimatverein, der in Vorbereitung der Pflanzaktion bereits einen passenden Platz im Bauerngarten des Heimathauses ausgesucht und nach Rodung eines abgängigen Baumes das Pflanzloch vorbereitet hatte.

Fortan wird also, gutes Anwachsen vorausgesetzt, ein botanisch Prunus domestica genannter Zwetschgenbaum der Sorte „Ortenauer Typ Borssum“ den Obstgarten bereichern. Dabei nimmt der Sortenname allerdings entgegen nahe liegender Annahme nicht Bezug auf den Aschendorfer Nachbarort Borsum, sondern vielmehr die alte Bauernschaft Borssum, die heute zur Stadt Emden gehört. Dort bereits im 17. Jahrhundert als Zufallssämling entdeckt und dann zu gärtnerischen Ehren aufgestiegen, gelangte die Sorte nach dem Krieg nach Süddeutschland und auch in die Ortenau genannte Landschaft um Offenburg (Baden-Württemberg) nahe des Schwarzwalds am rechten Oberrhein und kam dort zu ihrem Namen.

Zwetschgen sind eine Unterart der Pflaumen. Äußerlich dunkelblau, bereift und im Fruchtfleisch von weißlichgrüner Farbe haben Zwetschgen im Gegensatz zu den Pflaumenfrüchten aber keine „Naht“, wie man die in Längsrichtung verlaufende äußere Fruchtkerbe nennt. Saftig und haltbar und mit gutem Ertrag hat die norddeutsch kurz auch „Borsummer“ genannte Zwetschge sogar den Erwerbsobstbau erfolgreich erobert und lange mit geprägt.

Neben ihren vielen vorteilhaften Eigenschaften hat diese alte Zwetschgenart allerdings auch einen nicht außer Acht zulassenden Nachteil, der in der Anfälligkeit der Sorte gegenüber der Scharka-Krankheit besteht. Diese Viruserkrankung wird vom Plum pox virus, kurz PPV oder Scharka-Virus genannt, ausgelöst und ist sogar meldepflichtig. Übertragen wird das Virus vor allem durch Pflanzenläuse. Eine Bekämpfung ist nur indirekt über die Läusepopulation möglich. Der Trend geht deshalb bereits seit geraumer Zeit erfolgreich hin zu scharka-resistenten Züchtungen.

Nach der Pflanzaktion nutzten die Bürgermeisterin und der HBV die Gelegenheit, sich bei Tee und Neujahrskuchen locker über beiderseits interessierende Themen auszutauschen und ein weiteres Gespräch im Laufe dieses Jahres in Aussicht zu nehmen, bei dem dann u. a. intensiver über die Nutzung Altenkamps für Außenveranstaltungen und die anstehende Um-/Neugestaltung des Innenstadtbereichs in Aschendorf gesprochen werden soll. Mit wechselseitigen Wünschen für eine erfolgreiche Einarbeitung im Rathaus bzw. das weiterhin gute Wirken des Heimatvereins und nicht zuletzt das Gedeihen des neu gepflanzten Zwetschgenbaumes verabschiedete sich die Bürgermeisterin dann zum nächsten Termin an diesem Tag.

Hans-U. Feller

Neue Ausgabe der „Aschendorfer Heimatblätter“ erschienen

Das neue Heft 58 für das Jahr 2021 verspricht den Lesern nicht nur viel Freude und gute Unterhaltung, sondern möglicherweise auch die Schließung einiger Wissenslücken in der Heimatgeschichte. Nur sehr wenige Geschichtsinteressierte wissen, dass die ostfriesischen Kirchengemeinden in Völlen und Stapelmoor Tochtergründungen von St. Amandus in Aschendorf sind. Und wer kennt noch den Verlauf des alten Heer- und Handelsweges zwischen Westfalen und Ostfriesland, der zwischen Aschendorf und Völlen den gleichen Verlauf hatte wie der historische Kirchweg? Lediglich die Straßennamen „Hofer Kirchweg“ in Aschendorf und „Alter Kirchweg“ in Bokel erinnern noch an diese frühere jahrhundertealte Wegeführung.

Ein weiterer Artikel mit dem Titel „Der Zeitsprung“ von Johannes Bollen aus Bad Zwischenahn beschreibt sehr amüsant, warum die Emsländer bereits um 1600 ihren ostfriesischen Nachbarn weit voraus waren.

Gerd Bohse hat sich im vergangenen Jahr besondere Verdienste erworben, als er mit einigen „Mitstreitern“ seine Idee zum Aufstellen eines Storchennestes auf dem Heimathof umsetzte. Erfreulicherweise hat die Besetzung des Horstes gleich im ersten Jahr geklappt. In seinem Bericht schildert er die Geschichte der Störche in den letzten rd. 100 Jahren in und um Aschendorf. Durch die eingebaute Nestkamera haben zeitweise täglich über 3.000 interessierte Besucher auf der Homepage des HBV „Blick ins Storchennest“ das Geschehen im Nest verfolgen können und auch kommentiert. Das Titelbild der neuen Broschüre zeigt das Storchenpaar.

Der Aschendorfer Ortsrat hat beschlossen, dem „Askendörper Pennlicker“ ein Denkmal zu setzen, das noch in diesem Jahr aufgestellt werden soll. Was es mit dem Pennlicker auf sich hat, wird im 4. Aufsatz erläutert.

Angela Klaßen bemüht sich sehr um den Erhalt der plattdeutschen Sprache. Für dieses Heimatblatt hat die pensionierte Lehrerin einige plattdeutsche Schulgeschichten zusammengestellt. Ihre Abhandlung wird ergänzt durch diverse Schulbuchseiten aus der Zeit um 1860/70, eine hölzerne Schultasche von 1880, einem Zeugnis der Aschendorfer Mädchenschule aus dem Jahre 1854 sowie des Fotos eines Klassenraumes um 1900.

Die Aschendorfer Heimatblätter sind für 4,- Euro im örtlichen Buchhandel, beim Kiosk Bösing und im Heimathaus (Die. u. Do. von 14.30 – 17.00 Uhr) erhältlich.

Der Aschendorfer Heimat- und Bürgerverein (HBV) zog Bilanz für 2019/20 und blickt optimistisch in die Zukunft. Der 100. Geburtstag 2024 rückt näher!

v.l.n.r.: Anni Eiken, Margret Jansen, Hans-Ulrich Feller, Dr. Ursula Ochs, Bernd Assies, Gerd Harpel, Karl Albers, Alois Meemann, Dieter Wolf, Heinrich Neuenstein, Gerd Lindt, (Foto: Gerd Bohse)

Auf der außergewöhnlichen, wegen der Corona-Pandemie für zwei Jahre durchgeführten Mitgliederversammlung wurde von den Vorstandsmitgliedern angeregt, vermehrt für eine Mitgliedschaft der jüngeren Generation zu  werben. In den vergangenen Jahren sind durchschnittlich mehr als 10 Vereinsmitglieder/Jahr verstorben. Die Altersstruktur des über 400 Mitglieder zählenden Vereins zeigt, dass die Nachwuchswerbung intensiviert werden muss. Gerade der HBV bietet mit dem Heimathof und dem Heimathaus vielfältige  Möglichkeiten, sich dort je nach Interessenlage einzubringen, Angebote zu nutzen oder eigene Interessengruppen zu bilden. Bei den turnusgemäß anstehenden Wahlen haben gleich drei Personen auf eine Wiederwahl verzichtet, um bei dem vom Vorstand angestrebten Verjüngungsprozess mit gutem Beispiel voran zu gehen. Für den  stellvertretenden Vorsitzenden Hans-Ulrich Feller wurde Frau Dr. Ursula Ochs gewählt, und die Beisitzerposten von Dieter Wolf und Bernd Assies sind von Gerd Bohse und Alois Meemann besetzt worden. Auf die bisherige Position von Dr. Ochs ist Heinrich Neuenstein gewählt worden. Der Vorsitzende Gerd Harpel kündigte für die nächste Zeit die sukzessive Vorstandsverjüngung an. Die ausgeschiedenen Personen haben zu erkennen gegeben, so weit wie möglich und gewünscht, in der Heimatarbeit aktiv zu bleiben. Diese Zusicherung ist besonders in Hinblick auf den 2024 anstehenden 100. Geburtstag für die nachrückenden Vorstandsmitglieder wichtig. Applaus erhielt Gerd Bohse mit seinen Helfern für den Bau des Storchennestes auf dem Heimathof. Durch die Nestkamera konnten viele tausend Interessierte das Storchenleben verfolgen.

Der von Hans-Ulrich Feller vorgetragene Geschäftsbericht für die Jahre 2019 und 2020 wurde nach seiner 13-jährigen Geschäftsführung als Abschiedsbericht umfangreich um die Themen „Rückblicke – Einblicke – Ausblicke“ ausgeweitet. In seinem „Rückblick“ betonte er u.a., dass die Bündelung von Heimat- und  Bürgerarbeit eine breite Basis für ein ergiebiges Betätigungsfeld bieten und viele Anregungen des Vereins von der lokalen Politik, wie z. B.  jüngst beim „Pennlicker“, aufgegriffen wurden. Das entspricht auch der wachsenden Einforderung einer starken Bürgerbeteiligung. H.-U. Feller unterstrich die gute Zusammenarbeit und Vernetzung der Aschendorfer Vereine, die zu verbesserten Möglichkeiten größerer Veranstaltungen (z. B. Maibaumaufstellen) geführt haben.

Unter dem Thema „Einblicke“ ging er u. a. auf die im Zwei-Wochen-Turnus stattfindenden Vorstandssitzungen ein. Diese seien in dieser Häufigkeit wegen der Organisation der unterschiedlichen Veranstaltungen und den Absprachen mit den Arbeitsgruppen erforderlich. Im Heimathaus und auf dem Heimathof ist  täglich Betrieb. Trotz der Pandemie sei es dem Verein gelungen durch Homeoffice mehr als 60 Infotafeln zu konzipieren, die heute eine Bereicherung des Museums und des Heimathofes darstellen. Auch Renovierungsarbeiten im Haus konnten wegen ausgefallener Veranstaltungen durchgeführt werden.

Bei der Thematik „Ausblicke“ kam der stellv. Vorsitzende auf die abnehmende Bindungswilligkeit der Bürger/innen an Vereine zurück. Auf dem Heimathof bieten die Boulebahn und das Outdoor-Schachfeld den Vereinsmitgliedern neue Freizeitmöglichkeiten.

Nach Abschluss der zweiten Versammlung für 2020 bedankte sich der Vorsitzende Gerd Harpel bei den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern. Er erinnerte an einige Highlights der 13-jährigen gemeinsamen Arbeit mit H.-U. Feller wie die Organisation und Durchführung von Ausstellungen, Festen, Jazz-Konzerten, die erlebnisreichen Tages- und Mehrtagesfahrten und an die rege Beteiligung des HBV an örtlichen und überörtlichen Veranstaltungen wie „Sommerzauber auf Gut Altenkamp“, Tag der Heimatvereine u. v. a. m. Fellers Anliegen war es immer, dass sich der HBV im Interesse der Bürger bei möglichst vielen Veranstaltungen einbringt und beteiligt.

Dieter Wolf ist nach 36-jähriger Vorstandsarbeit als Beisitzer zurückgetreten. Er hat seit 1985 die Bau- und Renovierungsarbeiten des Heimathauses und der weiteren Gebäude auf dem Heimathof begleitet und z. B. im Jahre 1999 das Fest des 75-jährige HBV- Geburtstages mit organisiert.  

Karl Albers erhielt eine Belobigung für die mehr als 10-jährige Pflege des Erinnerungskreuzes am „Behnes Busch“. Er und alle ausscheidenden Vorstandsmitglieder erhielten zum Dank einen Präsentkorb. Frau Dr. Ursula Ochs bereitete den ehemaligen Vorstandsmitgliedern eine unerwartete Freude mit selbst angefertigten Deko-Lampen.  

Hans-Ulrich Feller, immer für Überraschungen bekannt, bedankte sich beim HBV abschließend mit zwei Abschiedsgeschenken: Eine qualitätsvolle Bleiglasarbeit mit dem Bildnis des Hl. Martin sowie mit einem großen handgearbeiteten schmiedeeisernen Auslegerschild mit dem HBV-Logo. Das Logo hat er vor einigen Jahren für den Verein entworfen und ist auf jedem Briefbogen des HBV zu sehen.